Argumentatio II (Cic. Manil. 20-23)

Nachdem ich nunmehr über die Art des Krieges gesprochen habe, werde ich jetzt wenig über die Größe sagen. Es kann nämlich gesagt werden, dass der Krieg zwar seiner Art nach so notwendig ist, dass es geführt werden muss, aber nicht so groß, dass er gefürchtet werden muss. In dieser Hinsicht muss sehr viel gearbeitet werden, damit nicht zufällig die Dinge, die am sorgfältigsten beachtet werden müssen, euch als zu verachtend erscheinen. Damit nun alle bemerken, dass ich dem L. Lucullus an Lob so viel zuteile, wie einem tapferen Mann, einem weisen Menschen und einem großen Feldherren zugeteilt werden muss, so erkläre ich hiermit, dass bei dessen Ankunft sehr große Truppen von Mithridates mit allen Dingen bestens ausgerüstet waren und die berühmteste und uns am freundschaftlichsten gesinnte Stadt Asiens Kyzikus vom König selbst mit einer sehr großen Übermacht belagert und heftigst angegriffen wurde. Diese befreite L. Lucullus mit seiner Tapferkeit, seinem Fleiß und Klugheit unter höchsten Gefahren von der Belagerung.

Von dem selben Feldherren sei eine große und gut ausgerüstete Flotte, die unter dem Kommando von Sertorianern nach Italien voll glühenden Parteihasses eilte, besiegt und versenkt worden. Außerdem seien große Truppen der Feinde durch viele Schlachtet vernichtet und unseren Legionen der Pontus zugänglich gemacht worden, der vorher dem römischen Volk von jeder zugänglichen Seite verschlossen gewesen war. Sinope und Amisus – in den Städten befanden sich die Residenzen des Königs –, mit allen Dingen ausgerüstet und vollgestopft, und überaus viele übrige Städte des Pontus und Kappadokiens seien allein durch sein Anrücken und Erscheinen erobert worden. Der König habe sich des Vaters und Großvaters ererbten Reichs beraubt demütig bittend zu anderen Königen und anderen Völkern begeben müssen und dies alles sei vollbracht worden, ohne dies Bundesgnossen des römischen Volkes zu bedrücken und die Steuereinkünfte zu schmälern. Ich glaube, dass dies genügend des Lobes ist und zwar so, Quiriten, damit ihr versteht, dass Lucullus von keinem derer, die diesem Gesetz und dieser Angelegenheit entgegenarbeiten, in gleicher Weise von dieser Rednerbühne aus genügend gelobt worden ist.

Jetzt wird wohl nachgeforscht, wie es, da die Dinge so sind, einen künftigen großen krieg geben kann. Merkt auf, Quiriten. Dies scheint nämlich nicht ohne Grund gefragt zu werden. Zuerst floh Mithridates so aus seinem Reich, wie eins jene Medea aus dem selben Pontus geflohen sein soll, von der man erzählt, dass die auf der Flucht die Körperteile ihres Bruders an den Orten, wo nach ihrer Meinung der Vater sie verfolgen würde, zerstreut hat, damit das zerstreute Aufsammeln dieser und die väterliche Trauer die Schnelligkeit des Verfolgens verlangsamt. So ließ Mithridates fliehend eine sehr große Menge an Gold und Silber und allen schönen Dingen, die er teils von den Vorfahren erhalten hatte, teils selbst in vorherigem Krieg aus ganz Asien geraubt in sein Reich zusammengetragen hatte, im Pontus ganz zurück. Während unsere Leute dies alles allzu sorgfältig sammeln, flieht der König selbst aus der Hände Scharen. So hat jenen [Aietes, der Vater der Medea] die Trauer bei der eifrigen Suche verlangsamt, diese [die Verfolger des Mithridates] hat die Freude verlangsamt.

Ihn [Mithridates] nahm Tigranus, der König von Armenien auf seiner angstvollen Flucht auf, stärkte den Hoffnungslosen mit seinen Dingen, richtete den Niedergeschlagenen auf und belebte den fast vernichteten neu. Nachdem L. Lucullus in dessen Reich mit einem Heer gekommen war, waren mehrere Völker gegen unseren Feldherren erregt. Es war nämlich diesen Ländern, von denen das römische Volk niemals geglaubt hat, sie durch einen Krieg reizen zu müssen oder ihnen nahe zu treten zu müssen, Furcht eingejagt worden. Es war nämlich auch ein anderer folgenschwerer und heftig erregender Wahn, der die Gemüter der ausländischen Völker durchdrungen hatte, [nämlich] dass unser Heer wegen des Plünderns eines sehr begüterten und hochheiligen Heiligtums in diese Gegenden geführt worden wäre. So wurden viele und große Völker durch völlig neuen Schrecken und Furcht erregt. Unser Heer aber, auch wenn es die Stadt aus dem Reich des Tigranus erobert hatte und in folgenden Schlachten von Nutzen war, wurde dennoch durch die außerordentliche örtliche Entfernung und die Sehnsucht nach seinen Lieben beunruhigt.

*** Ende des übersetzten Teils. ***

 


2015-12-11 22:26:10