Auswahl aus allen Büchern (Mart. epigr.)

 

II 3

 

Sextus, du bist nichts schuldig, nichts bist du schuldig, Sextus, gestehe ich:
Es schuldet nämlich jemand, wenn er zahlen kann, Sextus.

 

II 7

 

Hübsch hältst du Übungsreden, hübsch hälst du Prozesse, Atticus;
du machst schöne Berichte und schöne Gedichte;
du fasst Sketche und Epigramme hübsch ab;
du bist ein hübscher Grammatiker, ein hübscher Astrologe;
du singst und tanzt hübsch, Atticus;
du bist hübsch in der Kunst der Lyra und hübsch in der Fertigkeit mit dem Ball.
Wenn du nichts gut machst, tust du dennoch alles hübsch;
du willst, dass ich dir sage, was du bist? Du bist ein großer Windbeutel.

 

II 35

 

Da du Beine Hast, die der Sichel des Mondes gleichen,
könntest du, Phoebus, im einem Trinkhorn die Füße waschen.

 

II 38

 

Du fragst, Linus, was der Acker bei Nomentanum mir einbringen soll?
Das bringt mir der Acker ein: Ich sehe dich nicht, Linus.

 

II 87

 

Du sagst, dass hübsche Mädchen vor deiner Liebe brennen,
der du das Gesicht eines Unterwasserschwimmers hast, Sextus.

 

III 43

 

Du belügst einen Jüngling mit gefärbten Haaren, Laetinus;
der du erst jetzt ein Schwan warst, bist nun ein Rabe.
Nicht alle täuschst du: Proserpina weiß, dass du ein Hund bis:
Jene wird dir die Maske vom Gesicht ziehen.

 

V 43

 

Thais hat schwarze, Laecania weiße Zähne.
Was folgt daraus? Erstere hat gekaufte, jene ihre.
Die Füße sind so geformt und bemessen, dass sie in die enge Öffnung eines Trinkhorns (rhytium) passen.

 

V 58

 

Du sagst, Postumus, dass du künftig immer leben wirst, künftig:
Sag mir, Postumus, wann dieses künftig kommt?
Wie lange dieses künftig ist! Wo ist es? Und woher ist es zu ersuchen?
Ist es etwa verborgen bei den Parthern und den Armeniern?
Priamus' und Nestors Jahre hat dieses künftig bereits.
Sag mir, für wie viel kann ich dieses künftig laufen?
Du lebst künftig? Heute ist es bereits spät zu leben, Postumus:
Jener ist weise, Postumus, der gestern gelebt hat.

 

VI 60

 

Mein Rom lobt, liebt und singt meine Hefte.
Und mich hält jede Tasche, mich hält jede Hand.
Schau: Irgendjemand errötet, ist blass, ist starr, sperrt den Mund auf und hasst.
Genau das will ich: Jetzt gefallen mir meine Dichtungen.

 

VII 77

 

Du verlangst, dass ich dir meine Hefte schenke, Tucca.
Das werde ich nicht tun: Denn du willst sie verkaufen, nicht lesen.

 

VIII 40

 

Du lügst, ich glaube: du trägst schlechte Gedichte vor, ich lobe sie:
Du singst, ich singe: Du trinkst, Pontilianus, ich trinke:
Du furzt, ich überhöre: du willst ein Brettspiel spielen, ich gewinne:
Es gibt eine Sache, die du ohne mich machst und die ich verschweige.
Dennoch lässt du mir überhaupt nichts zukommen. „Als Toten“, sagst du,
„werde ich dich gut behandeln.“ Nichts will ich außer zu sterben.

 

VIII 69

 

Du bewunderst allein alte
und lobst nur tote Dichter, Vacerra.
Ich bitte dich um Verzeihung, Vacerra: So viel
ist es mir nicht wert zu sterben, dass ich dir gefalle.

 

IX 97 V.1-6, 12

 

Ein gewisser platzt vor Neid, liebster Julius,
weil Rom mich liebt, platzt er vor Neid.
Er platzt vor Neid, da auf mich der Finger
der ganzen Menge zeigt, platzt er vor Neid.
Er platzt vor Neid, weil beide Caesaren
mir das Dreikinderrecht geschenkt haben, platzt er vor Neid.
(...)
Wer auch immer vor Neid platzt, der platze vor Neid!

 

 

XI 34

 

Aper kauft ein Haus, welches nicht einmal eine Nachteule als das Ihrige
wollen würde; So alt und schwarz ist die Hütte.
Die ihr benachbarten Gärten besitzt der begüterte Maro.
Er wird hübsch essen, Aper nicht einmal wohnen.

 

 

 


2015-12-11 19:32:52