Exordium (Cic. Manil. 1-3)

 

Obwohl mir euer zahlreiches Erscheinen immer überaus angenehm erschien, dieser Ort aber zum Verhandeln am würdevollsten und zum Sprechen am ehrenvollsten, Quiriten, haben mich dennoch von diesem Weg zum Ruhm, der immer gerade dem Besten am meisten offen stand, bis jetzt nicht mein Wille, sondern mein Lebensplan, dem ich mich seit Eintritt in das bürgerliche Leben angenommen habe, abgehalten. Da ich es nämlich früher wegen meines Alters niemals wagte, an diesen angesehenen Ort zu treten, und weil ich beschloss, dass es sich gehört, hierher nichts außer geistig Vollendetes und mit Fleiß Ausgearbeitetes vorzubringen, glaubte ich, dass meine ganze Zeit den Bedrängnissen der Freunde gewidmet werden muss.

Und ist dieser Ort niemals leer gewesen von denen, die eure Angelegenheit verteidigten, so hat auch meine Arbeit, die sich lauter und unbescholten mit den Gefahren der Privatpersonen beschäftigt hat, nach eurem Urteil einen sehr bedeutenden Erfolg erreicht. Daher, dass ich wegen Verschiebung der Wahlversammlungen als Prätor dreimal an erster Stelle durch die Stimmen aller Centurien ausgerufen worden bin, habe ich leicht verstanden, Quiriten, sowohl, was ihr über mich urteilt, auch auch, was ihr für Anforderungen an andere stellt. Da ich jetzt an Ansehen so viel besitze, wie ihr mir durch Übertragung der Ämter zugebilligt habt, und an Fähigkeit zum Verhandeln so viel, wie das beinahe tägliche Training im Sprechen aus der Gerichtstätigkeit einem fleißigen Menschen bringen konnte, werde auch ich sicherlich, soweit irgendetwas an Ansehen in mir ist, es bei denen zur Anwendung bringen, die es mir gegeben haben; und, wenn ich irgendetwas durch Reden erreichen kann, werde ich es denen am liebsten zeigen, die meinten, dass nach ihrem Urteil der Lohn für diese Sache gegeben werden muss.

Ferner sehe ich, dass ich mich zu Recht ganz besonders über jenes freuen muss, dass mir in dieser ungewohnten Weise des Redens eine solche Sache von diesem Ort entgegengebracht worden ist, bei der niemandem Redestoff fehlen kann. Es muss näcmlich über die einzigartige und herausragende Tüchtigkeit von Gnaeus Pompeius gesprochen werden. Es ist aber schwieriger, ein Ende dieser Rede zu finden als einen Anfang. So muss von mir nicht so viel Fülle als viel mehr Maß beim Reden ersucht werden.

 


2015-12-11 22:18:18